Nachbearbeitung von Légère Oboenrohren

Legere Oboenrohr

 

Ich habe es gewagt! Meine Erfahrungen mit der Bearbeitung des Kunststoffrohres.


Kann man das Légère-Oboenrohr bearbeiten? Diese Frage wurde immer wieder gestellt. Deshalb habe ich mich entschlossen es zu wagen.

 

Zwinge
Den ersten Versuch den ich unternommen habe, war die Anbringung einer Zwinge um die Spannung ein wenig zu erhöhen. Ich habe verschiedene Stellen ausprobiert, aber da das Rohr nicht so gut durchschwingt, hat die Zwinge eher den gegenteiligen Effekt. Das Rohr lässt sich mit Zwinge noch schwerer spielen. Auch wurde die Spannung nicht viel größer.
Je näher man Richtung Hülse kommt, desto härter wird das Material und eine Zwinge macht dort keinen Sinn. Weiter oben wird die Schwingung durch eine Zwinge zu sehr gedämpft.

 

Schaben

Ja man kann das Kunststoffrohr mit dem Messer bearbeiten. Ich habe erst ganz vorsichtig angefangen, aber schnell beim ständigen Ausprobieren gemerkt, dass es kaum eine Auswirkung hat. Trotzdem ich immer mehr vom Material entfernt habe, gab es kaum Änderungen im Klang und in den Spieleigenschaften. Das bedeutet, dass die Schabung auf dem Rohr weniger Einfluss hat als gedacht!

Vorne an der Ansprache müsst ihr beim Schaben sehr vorsichtig sein. Gerade an den Ecken franst das Material schnell aus. Auch mit einem Rohrabschneider ist das Rohr dann sehr schwer wieder gerade zu bekommen. Es lässt sich sehr schwer durchschneiden und dann entsteht eine sehr harte Kante.

Schleifpapier sollte gar nicht benutzt werden. Egal wie fein es ist, es beschädigt nur die Oberfläche.
Ich bin dann sehr rabiat vorgegangen und habe auch hinter der Bahn Material weggenommen, damit das Rohr besser schwingt und die tiefen Töne eventuell etwas besser ansprechen. Nach einer Weile hatte ich in der Tat ein etwas besser schwingenderes Rohr, aber es war nur minimal. Der Klang wurde dadurch viel mehr beeinflusst, so dass ich davon eigentlich auch abraten kann.

 

 

Weitere Tests

Die Hülse aus Kunststoff hat mich von Anfang an sehr interessiert. Ich habe daher mal mit meinem Dorn geschaut, wie weit sie ist. Mein Klopfer D12 Dorn passt nicht hinein. Es scheint somit eine schmalere Hülse zu sein. Wichtig! Schiebt niemals den Dorn mit Kraft in das Légère Oboenrohr! Die Hülse reißt dann an der Seite auf und ist undicht.

 

Da das Kunststoffrohr einen sehr kurzen schwingenden Teil hat, habe ich mich gefragt, ob man es nicht noch ein wenig weiter aufschneiden kann. Mit einer Rasierklinge habe ich es dann vorsichtig ein paar Millimeter weiter aufgeschnitten und mit eine Zwinge fixiert um ein weiteres Aufreißen zu verhindern. Die Schwingungen wurden auch hier nicht wirklich besser.

 

Fazit

 

Lasst das Légère-Kunststoffrohr so wie es ist! Auch die Firma Légère rät von einer Bearbeitung ab. Die Auswirkungen sind nur minimal bis gar nicht vorhanden. Die Wahrscheinlichkeit, dass es dabei kaputt geht, ist viel höher. Ich denke es bringt mehr sich auf das Oboenrohr einzulassen und die Spielart darauf anzupassen. Wie ihr in meinem Video seht, kann man ja auch darauf spielen, ohne es zu bearbeiten.

 

Gespannt bin ich nun auf den Vergleichstest. Gehen alle Légère Oboenrohre gleich? Bald hier auf eurem Oboe-Blog.

 

 

PS.: Ich hab mein Légère-Rohr gerne für euch geopfert. Jetzt könnt ihr eures ganz lassen ;-) 

 

 

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Légère - erstes spielbares Kunststoffrohr

Videovorstellung - Légère Oboenrohr

Kunststoffrohre - jedes ist individuell

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Kommentare: 8
  • #1

    Henning Ahlers (Sonntag, 26 Juni 2016 07:27)

    ...Du bist mein Held...
    Mal ganz im Ernst: vielen herzlichen Dank für Deine Informationen! Mein bestelltes Legere ist noch mit der Schneckenpost unterwegs und ich bin sehr gespannt, wie es sich mit meiner alten Dama Marigaux verträgt...
    Herzliche Grüße,
    Henning Ahlers (Magdeburg)

  • #2

    Mario Karger (Sonntag, 26 Juni 2016 14:24)

    Vielen Dank für ihre ausführlichen Tests mit dem neuen Kunststoffrohr. Bin schon gespannt auf ihre Eindrücke bezüglich der Ähnlichkeit mehrerer Exemplare. Wenn der Hersteller für gleichbleibende Qualität sorgen kann, hat man vielleicht ein zuverlässiges Rohr zum Üben und für den Notfall.
    Der Preis wäre mir allerdings, angesichts der noch vorhandenen Mängel in der Ansprache der Tiefe und des wenig modulationsfähigen Klanges, viel zu hoch. Mir kommt es auch so vor, als könnte man mit einem solchen Rohr Intonationsschwächen des Instrumentes schlechter ausgleichen. Aber vielleicht gibt es auch irgendwann mal die perfekte Oboe.

  • #3

    Bernd Schulz (Dienstag, 28 Juni 2016 19:47)

    Nochmals danke! Der Nachbearbeitungstest ist für mich genauso wichtig und aufschlussreich wie der eigentliche Test des Légère-Rohrs! Wenn das Rohr die Möglichkeit bieten würde, es nachher noch auf die eigenen Bedürfnisse abzustimmen, würde ich nämlich weiterhin sehr ernsthaft darüber nachdenken, die 149 Euro zu investieren, um dann ein vergleichsweise dauerhaftes und in der Konzertsituation auch wirklich brauchbares (!) Ersatzrohr in der Schachtel zu haben.

    Mittlerweile gibt es im Internet einen Hinweis darauf, dass sich die Légère-Rohre nicht alle gleich spielen lassen. Ich warte gespannt auf das, was demnächst hier im Blog zu dieser Frage gesagt werden wird...

    Viele Grüße

    Bernd

  • #4

    Willy's Holzbläser-Atelier (Samstag, 02 Juli 2016 15:25)

    Lieber David,
    vorne weg, gut das Du einen solchen Treffpunkt geschaffen hast.
    So nun zum Rohr selbst. Danke Dir für Deinen ausführlichen Test!! Nach dem Lesen der Beiträge, muss ich auch meinen Beitrag leisten.
    Die wichtigste Frage zuerst:
    Hast Du das Rohr vorher aus mehreren ausgewählt!!(ganz wichtig) und das Beste für Dich genommen und
    getestet, oder ganz im Allgemeinen ??Jeder der einfach so ein Rohr bestellt und denkt er könnte damit vergleichbare Leistungen wie mit einem Holzrohr erreichen, wird feststellen das es nicht so ist!!!!
    Erklärung:Die Rohre sind natürlich alle verschieden, obwohl es nur eine Stärke gibt, das ist aber bei Holzrohren auch so!! Also kein Produktfehler, sondern ganz logisch ;-)))
    In meinem Laden kann man die Rohre einfach ausprobieren und nach dem Antesten werden sie desinfiziert. Schon findet jeder Kunde, das für Ihn passende Rohr, ohne Probleme mit der Hygiene oä.
    Das Rohr muss!! ausprobiert werden, zuhause sitzend, im Internet bestellt, das geht schief..............
    Ich weiß so einzukaufen ist ein bisschen old fashioned, aber dafür funktionierst.
    Übrigens, natürlich kann man die Rohre schaben, warum auch nicht, nur falls man sich verschabt sind 150 Tacken futsch!! und kein Umtausch mehr möglich, aber das ist auch bei allen Anderen so.
    Meine Empfehlungen zum Einsatzgebiet sind:
    Jeder Oboist sollte Eins in der Schachtel haben, ausprobiert (am besten bei mir :-), als Backuprohr,
    wenn mal wieder nichts geht(Oboisten kennen diese Situation, oder) . Mit dem Ausgesuchten übersteht
    man im Bedarfsfall, jede Probe oder auch Konzert und dann kann man ja wieder in Ruhe was Gutes aus Holz
    bauen und glänzen wie immer......................Das Legere Rohr ist für mich das Perfekte Regulativ, wenn mal wieder Nichts geht. Außerdem, eigentlich sollte es das schlechteste Rohr in der Schachtel(da müssen sich aber Einige wirklich anstrengen) sein.
    Für Schüler nur bedingt einsetzbar, im Optimalfall sollte jeder Oboist seine eigenen Rohre bauen und von Anfang an seine Fertigkeiten darin entwickeln.
    Aber um einfach mal auszuprobieren.......perfekt.
    Das sind hier alles nur meine Gedanken und Erfahrungen, mehr kann ich nicht bieten...........................

    Liebe Grüße aus Berlin
    Willy's Holzbläser-Atelier
    Wilfried Reinecke

  • #5

    Bernd Schulz (Sonntag, 03 Juli 2016 23:49)

    "In meinem Laden kann man die Rohre einfach ausprobieren und nach dem Antesten werden sie desinfiziert. Schon findet jeder Kunde, das für Ihn passende Rohr, ohne Probleme mit der Hygiene oä.
    Das Rohr muss!! ausprobiert werden, zuhause sitzend, im Internet bestellt, das geht schief.............."

    Lieber Wilfried, schön und gut - aber was macht dann der Oboist, der in seiner Nähe keinen Laden findet, in dem man die Légère-Rohre durchtesten kann? Ich sitze hier im äußersten Westen der Republik und denke vorerst nicht unbedingt daran, nur wegen der Plasterohre nach Berlin umzuziehen ;-).

    Verschickst du denn im Zweifelsfall auch mehrere Légère-Rohre zur Probe/Auswahl? Das wäre jetzt für mich eine nicht ganz unwesenliche Frage.....

    Viele Grüße

    Bernd

  • #6

    Bernd Schulz (Sonntag, 03 Juli 2016 23:58)

    ...und darüber hinaus drängt sich mir die Frage auf, warum die Légère-Rohre so unterschiedlich ausfallen!? Jede Stange Arundo donax ist anders gewachsen, hat andere Abmessungen, eine andere Struktur - aber Plaste bleibt doch Plaste! Von minimalen Toleranzen abgesehen würde ich hier erst einmal einen besonders einheitlichen Charakter des Produkts erwarten - genau das sollte ja neben/nach der längeren Haltbarkeit der besondere Witz an der Sache sein!

    Viele Grüße

    Bernd

  • #7

    Jörg Huttenlocher Holzblasinstrumente (Donnerstag, 30 November 2017 17:28)

    Hallo David,
    habe durch Zufall Deinen Blog gefunden und schließe mich im wesentlichen Willy's
    Erfahrungen an . Auch wir haben mehrere Rohre zum Antesten bereit. Ohne Ausprobieren findet man kein für sich passendes Rohr !
    Wir haben einen Kollegen und Berufsoboisten aus Holland(genauer Arnheim) im Bekanntenkreis, Sigurd Smit.
    Er hat es geschafft durch vorsichtiges Schaben und Nachschleifen,
    2 Legere Rohre von uns merklich spielbarer zu machen. Er kommt regelmäßig zu uns in die Werkstatt und gibt gerne seine Erfahrungen an Kunden weiter.
    Liebe Grüße aus Tübingen
    Jörg Huttenlocher
    Oboenwerkstatt Tübingen

  • #8

    Claudia Mauti (Montag, 10 September 2018 09:43)

    Ich war kürzlich beim Oboenshop und habe Dutzende Legère-Rohre verschiedener Stärken ausprobiert und dann doch keines gekauft. Was mich verunsichert hat, war die Tatsache, dass die Rohre alle fünf Minuten anders klingen und anders reagieren, mal sprechen sie gut an, dann wieder gar nicht. Es war sogar so, dass ich dasselbe Rohr mal gut und mal überhaupt nicht in die Oboe stecken konnte..... da bleibe ich lieber beim guten alten Handwerk, auch wenn das mühselig ist.